Finanznews, 24.12.2022

Es liegt was in der Luft

In dieser Kolumne geht es um die Stärke des Greenback, Anleihen mit negativer Rendite und die Frage, was Queen Elisabeth, Wladimir Putin und Batman gemeinsam haben.

Mit Cash, King und Batman

Heute Morgen liegt etwas in der Luft. Und damit meine ich nicht den wohltuenden Duft meines geliebten Espressos. Heute riecht es nach Weihnachten. Gestern haben meine Frau, meine Kinder und ich traditionellerweise unseren Christbaum besorgt und aufgeputzt. Dieses „Event“ ist für mich persönlich ein absolutes Highlight aber auch ein untrügliches Zeichen, dass sich das Jahr langsam, aber sicher, dem Ende zuneigt. Zeit auch dafür, das abgelaufene Jahr ein bisschen Revue passieren zu lassen.

Das Jahr 2022 wird mit Sicherheit für viele von uns als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem die Inflation so richtig angezogen ist. 43% der Länder haben mittlerweile zweistellige Inflationsraten, fünf sogar im dreistelligen Bereich. Am höchsten ist die Inflation in Simbabwe mit 269%. In Venezuela leben die Menschen bereits seit 2017 mit Inflationsraten jenseits der 100%. Als wesentlicher Grund wird mitunter auch der rasante Anstieg der Energiepreise ins Rennen geführt. In Europa sind die realen Elektrizitätspreise für Haushalte mittlerweile 78% über dem 20-Jahresschnitt, jene von Gas sogar 144% darüber. Notenbanken kämpfen verbissen dagegen an und gehen weltweit koordiniert vor. Ganze 33 Notenbanken haben heuer die Leitzinsen angehoben. Ein deutliches Signal, dass hohe Inflationsraten definitiv kein singuläres Event sind. Prognosen zufolge dürfte sich die Situation in den nächsten Monaten bzw. Quartalen etwas entspannen. Ob die Prognosen auch wirklich eintreten, steht aus meiner Sicht aber noch in den Sternen.

Auf der Währungsseite wurde uns 2022 eindrucksvoll vor Augen geführt, dass der US-Dollar gerade in einem schwierigen Umfeld nach wie vor der sichere Hafen ist und gegenüber anderen wichtigen Währungen zum Teil sehr deutlich zulegen konnte. Nehmen wir z.B. das Währungspaar EUR/USD. Im September ist der Kurs erstmals in den letzten Jahren unter die Parität gefallen. Auch wenn sich der Kurs seit damals wieder erholen konnte, hat der Euro gegenüber dem US-Dollar doch deutlich an Wert verloren. Oder den japanischen Yen, der seit Jahresbeginn 2021 um 25% an Wert gegenüber dem Greenback eingebüßt hat.

Auch auf Seite der Anleihen sorgte diese Woche Japan für Aufsehen. Die 2-jährige Staatsanleihe ist erstmals seit dem Jahr 2015 wieder über die 0%-Grenze geklettert. Damit ist der globale Pool an Anleihen, der negativ rentiert, auf 686 Milliarden Dollar gesunken. Vor einem Jahr war das Volumen von Anleihen mit Negativzins mit 11 Billionen Dollar noch um das 16fache höher. Ob eine schneidige Rendite vor Steuern und Kosten von 0,01% für eine 2-jährige japanische Staatsanleihe als Investment-Opportunität bezeichnet werden kann, wage ich aber dennoch zu bezweifeln.

Auf der makroökonomischen Seite hat sich das Bild in Europa doch etwas eingetrübt. In Deutschland horten beispielsweise Unternehmen – aus der Sorge um eine mögliche Rezession – unglaubliche 765 Milliarden Euro an Bargeld und kurzfristigen Einlagen. Die Cash-Bestände erreichen damit ein Allzeithoch. Sicherheit ist hoch im Kurs. Wer in Krisenzeiten über genügend Liquiditätsreserven verfügt, ist King.

Apropos King. England hat mit King Charles III. einen neuen König. Unter den Monarchen kann man selbst als 73jähriger zum Rookie aufsteigen.

Haben sie sich schon einmal gefragt, was Queen Elisabeth, Wladimir Putin und Batman gemeinsam haben? All jene Begriffe gehörten 2022 in unterschiedlichen Kategorien zu den beliebtesten Google-Suchbegriffen. Mich wundert es sehr, dass Elon Musk es nicht in diesen erlauchten Kreis geschafft hat. In meiner Blase war er 2022 omnipräsent. Die Talfahrt der Tesla-Aktie geht weiter. Seit Anfang September hat der einstige Highflyer über 50% an Wert eingebüßt. Die Aktie notiert mittlerweile auf dem tiefsten Stand seit November 2020. Insofern wenig verwunderlich, dass auch Elons geschätztes Vermögen 2022 um 123 Milliarden Dollar geschrumpft ist. Damit ist er vor Amazons Jeff Bezos, dessen Vermögen heuer um 84 Milliarden eingebrochen ist, der größte Verlierer an den Weltbörsen. Elon ist hinter Bernard Arnault aber immerhin noch die Nummer zwei der Welt. Ich wage aber zu bezweifeln, ob das für einen der nach den Sternen greift, eine zufriedenstellende Position darstellt!

Abschließend möchte ich mich bei Ihnen, lieber Leser, für Ihr Vertrauen und Ihre Treue bedanken. Ich wünsche Ihnen frohe Weihnachten und ein paar entspannte Tage!