Finanznews, 13.08.2022

Ferragosto und Hochkonjunktur für Gucci

In dieser Kolumne geht es um den Ferragosto, eine 50-Tonnen schwere Euro-Skulptur und die Frage, wie sich Luxusartikelhersteller in Zeiten der Euroschwäche und hoher Inflationsraten schlagen.

Zinserhöhungen zeigen Wirkung

Als Ferragosto bezeichnen Italiener die Tage rund um den 15. August eines Jahres. Eine schier endlos scheinende Autokarawane zieht auf der Autostrada Richtung „Süden“. Die Zeit für Ruhe, Entspannung und Erholung, die von Kaiser Augustus im Jahr 8 vor Christus eingeführt wurde. Der römische Kaiser führte eine mehrtätige Auszeit ein. Feriae Augusti oder die Ferien des Augustus sind auch über 2.000 Jahre nach dessen Einführung die Haupturlaubszeit vieler Italiener. Ein Schluck meines frühmorgendlichen Espresso bringt auch mich unweigerlich in eine Ferragosto Stimmung. Und das definitiv nicht nur an Tagen rund um den 15. August.

Diese Wochen wurden die jüngsten US-Inflationszahlen veröffentlicht. Mit einer Rate von 8,5% befindet sich die Inflation zwar definitiv nicht im Ferienmodus, liegt aber doch etwas hinter den Markterwartungen zurück. Die Zinserhöhungen der amerikanischen Notenbank FED zeigen anscheinend Wirkung. Auch wenn weitere Zinserhöhungen im Laufe der nächsten Monate niemanden wirklich überraschen werden, gehen viele Marktteilnehmer von einer deutlich geringeren Dynamik aus. Die Wahrscheinlichkeit, dass Jerome Powell die US-Leitzinsen im September erneut um 75 Basispunkte anhebt, ist von 65% auf 40% gesunken. An den Finanzmärkten sorgte das für positive Impulse.

“Die Wahrscheinlichkeit, dass Jerome Powell die US-Leitzinsen im September erneut um 75 Basispunkte anhebt, ist von 65% auf 40% gesunken.”

An den italienischen Stränden tummeln sich viele Kinder. Viele von ihnen haben den Sandkübel und die Schaufel gegen das Tablet der Eltern getauscht und schauen stundenlang Zeichentrick-Filme. Diese Woche hat Disney Quartalszahlen vorgelegt und die Erwartungen deutlich übertroffen. Besonders profitabel ist der Streaming-Dienst Disney+. Wie viele der über 150 Millionen Nutzer wohl auf einer Liege unter dem Sonnenschirm den neuesten Film streamen, kann ich aber definitiv nicht beantworten.

Italiener sind stolz auf ihre Pizza, welche ab dem 18. Jahrhunderts von Süditalien aus die Welt eroberte. Es gibt wahrscheinlich kein einziges Land auf der Welt, in dem es nicht von Pizzerien wimmelt. Eine amerikanische Pizza-Kette setzte sich das Ziel, Italien mit einer amerikanischen Pizza zu erobern. Nach lediglich sieben Jahren hat nun die letzte Filiale der Kette Domino’s die Pforten für immer geschlossen. Dolce Vita mit einer amerikanischen Pizza lässt sich anscheinend nicht vereinen.

In Zeiten der Euroschwäche und der hohen Inflationsraten haben Luxusartikelhersteller Hochkonjunktur. Unternehmen wie Louis Vuitton, Gucci oder Prada verzeichnen Rekordumsätze. Ob das in einem direkten Zusammenhang mit den zuletzt stark gestiegenen Konsumkrediten in den USA steht?

Italien ist hinter Deutschland und Frankreich die drittgrößte Volkswirtschaft der Europäischen Union. Das Land ist hoch verschuldet und „leidet“ unter den jüngsten Zinsanstiegen. Höhere Zinsen bedeuten am Ende des Tages auch höhere Ausgaben. Eine Abwertung der Währung ist seit Einführung des Euros nicht mehr möglich. Das wusste die Europäische Zentralbank in Frankfurt stets zu verhindern. In Frankfurt steht ein 14 Meter hohes und 50 Tonnen schweres Euro-Skulptur, welche seit Einführung des Euros im Jahr 2001 vor der damaligen EZB-Zentrale errichtet wurde. Der historischen Skulptur droht die Versteigerung, da der Besitzer nicht in der Lage ist, die jährlichen 200.000 Euro Instandhaltungskosten zu stemmen. Sollte sich kein Retter in letzter Not finden, hoffe ich, dass es sich dabei um kein schlechtes Omen handelt!