Der Markttag und die Inflation

Heute ist Markttag. Nach meinem morgendlichen Espresso geht es auf den Bauernmarkt. Ich liebe diesen Ort, an dem Händler Woche für Woche ihre Waren anbieten, mit Kunden scherzen und eine gute Laune verbreiten. Für einen Bürohengst wie mich ist das eine willkommene Abwechslung. Als ich durch den engen Gang schlurfe, höre ich eine Frau, die sich über die teuren Preise beklagt. Die Inflation hat auch meinen Bauernmarkt erreicht. In diesem Zusammenhang muss ich an eine aktuelle Auswertung des Statistischen Bundesamtes denken, die die Preisentwicklung recht anschaulich darstellt. Mein Sohn liebt Nudeln. Heute stehen Spagetti Bolognese auf unserem Speiseplan. Für unseren Mittagsteller müssen wir tiefer ins Börserl greifen als noch vor einem Jahr. Die Pasta hat sich um 17,5% verteuert, das Faschierte um 12,7% und Tomaten sogar um 43,9%. Beim Gemüsehändler meines Vertrauens kaufe ich frische Tomaten. Hat sich auch hier der Preis im letzten Jahr um über 40% erhöht? Ich kann es ehrlich gesagt nicht einmal beantworten. Was ich aber weiß, ist, dass die Rechnungen in Summe beim Einkauf deutlich gestiegen sind.

Als ich den Bauernmarkt verlasse, fällt mir ein junges Pärchen auf, das ein Selfie vor dem Stand meines Gemüsehändlers macht. Wahrscheinlich werden sie dieses Bild gleich auf ihren Social Media Kanälen posten. Wer weiß, vielleicht geht mein Bauernmarkt gleich viral!

In den sozialen Medien tummeln sich Milliarden von Menschen. Die größte Plattform ist nach wie vor Facebook mit 2,9 Milliarden an aktiven Usern. Dahinter folgen YouTube (2,5 Mrd.), WhatsApp (2 Mrd.) und Instagram (1,5 Mrd.). Facebook ist mittlerweile aber etwas für ältere Personen. Manch Zyniker spricht schon von der Rentner-Plattform. Junge Menschen zieht es eher zu TikTok. Das ist ähnlich wie YouTube ein Video-Kanal. Allerdings – passend für junge Menschen mit kürzeren Aufmerksamkeitsspannen – handelt es sich dabei meist um Kurzvideos in Sekundenlänge. TikTok hat vor kurzem bereits die 1 Milliarde Schallmauer an aktiven Usern durchbrochen.

Auch die Geschäftswelt wird zunehmend digitaler. Kein Wunder, schließlich verbringen wir Konsumenten mittlerweile einen Großteil unserer Zeit in der virtuellen Welt. Auf dem Marktplatz im Internet herrscht mittlerweile reges Treiben. Den schreienden Händler gibt es nun nicht mehr in physischer sondern in einer optimierten digitalen Form. Auf vielen Kanälen wird man mit Werbeeinschaltungen überschüttet. Da kann es einem schon zur Herausforderung werden, im Stream zwischen all den Werbeposts die interessanten Dinge herauszufiltern, für die man sich eigentlich interessiert.

“Mehr als drei Viertel der Unternehmen konnten ihre Erwartungen übertreffen. Das betrifft allerdings die Vergangenheit.”

Die Gewinne von Social Media Konzernen sprudeln. Analysten gehen davon aus, dass die Quartalsergebnisse der größten Akteure im Vergleich zum Vorjahr um 19% steigen werden. Das ist viel, allerdings hat sich das Gewinnwachstum deutlich verlangsamt. Allein der Platzhirsch Google dürfte im 1. Quartal Werbeeinnahmen in der Höhe von $55 Milliarden lukriert haben. Für Facebook, eine Social Media Plattform des Meta-Konzerns, wird der Wind rauer. Die prognostizierten Einnahmen von $27 Mrd. sind zweifellos ganz ordentlich. Allerdings hat die Plattform im Vergleich zu anderen deutlich an Bedeutung verloren. Mark Zuckerberg wird damit nicht zufrieden sein. Der Facebook-Gründer ist zwar immer noch einer der reichsten Menschen dieses Planeten, musste 2022 aber doch deutlich Federn lassen. Sein aktuelles Vermögen beläuft sich auf geschätzte $74 Milliarden. Das ist zweifellos viel! Unfassbar viel sogar. Allerdings auch um mehr als $50 Milliarden weniger als zu Beginn des Jahres. Das wiederum ist ungefähr so viel wie das Gesamtvermögen der Computer-Ikone Michael Dell, seines Zeichens immerhin die Nummer 23 auf der Liste der reichsten Menschen dieser Welt.

Die nächsten Wochen stehen im Zeichen der Quartalsergebnisse. In Nordamerika läuft es bisher ganz gut. Mehr als drei Viertel der Unternehmen konnten ihre Erwartungen übertreffen. Das betrifft allerdings die Vergangenheit. Der Ausblick ist aber deutlich trüber. Der IWF hat in seinem traditionellen Frühjahrsausblick die Wachstumsprognose deutlich gesenkt. Für 2022 erwarten die Experten ein Weltwirtschaftswachstum von 3,6%. Im Jänner waren es noch 4,4%. Als Begründung wird vor allem Russlands Einmarsch in die Ukraine angeführt. Besonders stark betroffen sind auch die Auswirkungen auf die Eurozone, deren Wachstumserwartung sich von 2,8% auf 1,1% gesenkt hat. Auch auf der Inflationsseite sieht der IWF wenig Entspannung. Die Volkswirte prognostizieren für Industriestaaten eine Inflationsrate von 5,7% bzw. für Schwellenländern sogar von 8,7%. Der IWF Ökonom Gourinchas spricht sogar davon, dass die Inflation zu einer klaren und präsenten Gefahr für viele Staaten geworden ist und er Notenbanken empfiehlt, die seit langem lockere Geldpolitik zu straffen. Ich bin schon gespannt, ob die ehemalige IWF-Chefin und jetzige EZB-Präsidentin Chrisine Largarde der Empfehlung Gourinchas folgen wird.

von | Apr 24, 2022

Abgrenzung zur Analyse:

Der vorliegende (oder: hier abrufbare) Artikel enthält die persönliche Ansicht des Autors zu den im Artikel beschriebenen Sachverhalten. Soweit der Artikel eine Einschätzung über Unternehmen, Finanzinstrumente, volkswirtschaftliche Zusammenhänge oder andere Sachverhalte der Finanzwelt enthält, sind diese nicht unter Anwendung der Grundsätze ordnungsgemäßer Finanzanalyse (GoFA) erstellt. Es handelt sich nicht um eine Finanzanalyse gemäß Art. 36 der delegierten Verordnung (EU) 2017/565 . Der Autor hat zum Zeitpunkt des Erscheinens des Artikels kein persönliches Interesse an allfälligen in dem Artikel genannten Finanzinstrumenten oder Unternehmen, insbesondere hält er keine Positionen oder will solche veräußern.

Wer schreibt hier?
Ueber_uns-ecobono-Team-mobil

Hinter ecobono stecken die ehemaligen Fondsmanager Kevin Windisch, Josef Obergantschnig und Daniel Kupfner. In diesem Blog wollen sie ihr Wissen, ihre Anlagestrategien und ihre Finanztricks mit Privatanlegern teilen.