Blogbeitrag

Die größten Exporteure fossiler Brennstoffe im ESG-Check

Fossile Brennstoffe sind klimaschädlich und bis 2050 soll die EU in punkto CO2-Ausstoß klimaneutral sein. Doch beim Import von Erdöl, Erdgas und Kohle unterstützt man darüber hinaus eine Reihe korrupter Länder in denen Menschenrechte nicht viel zählen.

Fossile Brennstoffe sind nicht nur klimaschädlich sondern werden auch oft aus Ländern bezogen, in denen Menschenrechte nicht viel zählen.

Wir haben die größten Exporteure fossiler Brennstoffe auf Korruption, Pressefreiheit und Kriegsgefahren/Unruhen untersucht. Mit wenigen Ausnahmen, deren Exporte in der chemischen Industrie und ein paar kleineren Nischenbereichen weiterhin benötigt werden, sind die mit Petro-Dollar gesponserten Länder und deren Regierungen aus nachhaltiger Sicht eine regelrechte Katastrophe.

Auf der anderen Seite sind Länder mit hoher Eigenversorgung durch erneuerbare Energien völlig unterschiedlich. Die Versorgung mit Energie hängt viel mit natürlichen Gegebenheiten zusammen. Je mehr Flüsse ein Land durchqueren desto stärker kann Wasserkraft genutzt werden. In sonnigen Ländern sind Solarzellen das Gebot der Stunde und wo der Wind stärker weht, da empfehlen sich Windparks und manchmal wären diese drei Alternativen in Kombination mit Biogasanlagen, Wellenkraftwerke und Geothermie ein optimaler Versorgungsmix. Innovative, hochentwickelte Länder wie Island, Norwegen, Neuseeland und Österreich haben dies erkannt. Doch die weltweite Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen ist noch immer enorm, wobei die meisten Exportländer große ESG-Defizite aufweisen (siehe Tabelle)

 

Verwendet wurden folgende Indikatoren:

Corruption Perception Index (CPI) von Transparency International (2021):  Misst wahrgenommene Korruption im öffentlichen Dienst auf einer Skala von 0 (hochkorrupt) bis 100 (sehr integer).

Rangliste der Pressefreiheit für fast alle Staaten der Welt auf der Grundlage von Fragebögen der Nichtregierungsorganisation „Reporter ohne Grenzen“ (2021): Hier geht es u.a. auch um Übergriffe gegen Journalisten. Der globale Index der Pressefreiheit ist umso besser je niedriger der Wert ist. Von 180 Ländern mit 6,72 Punkten führend in punkto Pressefreiheit ist im Jahr 2021 Norwegen, gefolgt von Finnland (6,99 Punkte), Schweden und (7,24), Dänemark (8,57)

Global Peace Index (GPI 2021): Wird von einem internationalen Gremium bestehend aus Friedensexperten, Friedensinstituten, Expertenkommissionen und dem Zentrum für Frieden und Konfliktstudien der Universität Sydney in Kooperation mit der Zeitschrift „The Economist“ erstellt. Er unterteilt 163 Länder in fünf Hauptkategorien, wobei basierend auf dem Schulnotensystem die Kategorie 1 für die friedlichsten Regionen bzw. 5 für die größten Unruheherde gilt. Der GPI umfasst 23 Kriterien für Abwesenheit von Gewalt oder Angst vor Gewalt und unterteilt diese dabei in die drei Bereiche, nämlich Laufende inländische und internationale Konflikte; Soziale/Gesellschaftliche Sicherheit und Stabilität; und Militarisierung.

 

 

Ergebnisse:

Erdölexportländer sind im Schnitt am Korruptesten und weisen auch ein geringes Ausmaß an Pressefreiheit auf, wobei der Bedarf jenseits der Verbrennung durchaus durch das Angebot seriöserer Länder gedeckt werden kann. Manche Staaten wie Saudi-Arabien, VAE, Kasachstan, Angola, Brasilien, Irak und Kuwait sind durch Erdöl schnell einseitig wohlhabend geworden. Der zu schnelle Reichtum der Elite verdirbt offensichtlich den Charakter. Hingegen innovativer ist der Reichtum Kanadas durch den Abbau und die Verarbeitung von Ölsanden entstanden. In den USA sind es Schieferöl & Gas, das durch Fracking gewonnen wird – ein innovatives aber umstrittenes Verfahren. Dennoch pflegen Länder wie Norwegen, USA und Kanada ein reiferes Verhältnis zum Ölreichtum, der beispielsweise in Norwegen in einen breit diversifizierten Staatsfonds angespart wird.

Noch das „geringere Übel“ ist Erdgas, das als Zwischenlösung und Alternative zu Russland aus integeren Ländern mit weniger Kriegsrisiko bezogen werden kann. Solide Lieferanten sind Norwegen, Australien (kann LNG per Schiff liefern), Kanada, während in Europa im Falle einer Einigung zwischen Türkei und Griechenland auch Griechenland in der Ägäis Erdgas fördern könnte.

Generell das negativste ESG-Scoring weist Erdöl auf. Hier fällt besonders stark auf, dass die Presse und auch Bevölkerung wichtiger Lieferländer unterdrückt wird, was aber auch für eine Reihe Kohle-exportierender Länder gilt. Doch könnte mit den Ölexporten der solideren Länder nach einer globalen Energiewende langfristig das Auslangen gefunden werden. Ähnliches gilt für Kohle. Allerdings erfordert dies schnelles Handeln und Nutzung aller erneuerbaren Versorgungsalternativen. Unter dieser Voraussetzung kann weltweit bis 2050 die Klimaneutralität erreicht werden.