Finanznews, 26.11.2022

Die Jumbo-Frage und der Zins-Spagat

In dieser Kolumne geht es um die Erfolgsaussichten im dritten Jahr einer US-Präsidentschaft, El Salvadors Problemen mit dem Bitcoin-Verfall und einen Spagat, der einer ungelenken EZB nur schwer zu gelingen vermag.

2023 naht, Bullen aufgepasst!

2022 neigt sich schön langsam dem Ende zu. Wir haben wahrlich viel erlebt. Und vieles hat sich verändert. Andere Dinge, wie meine Liebe zur Börse oder meinem morgendlichen Espresso, halten diesem Transformationsprozess stand. Von Weihnachtsfrieden ist aber noch nichts zu spüren.

In den USA haben die „Mid-Term-Wahlen“ die Halbzeit der Präsidentschaft von Joe Biden eingeläutet. Ob er in zwei Jahren erneut als US-Präsident gewählt wird, steht in den Sternen. Spannend finde ich in diesem Zusammenhang aber auch die durchschnittliche Aktienmarktentwicklung in den einzelnen Präsidentschaftsjahren.

Bullen aufgepasst, dass dritte Jahr einer Präsidentschaft war historisch betrachtet das mit Abstand erfolgreichste. Aktionäre haben seit 1932 im Jahr drei eines US-Präsidenten durchschnittlich 17% verdient. Das ist deutlich mehr als in anderen Jahren. Während die Jahre eins und vier im langfristigen Durchschnitt liegen, war das zweite Jahr einer Präsidentschaft mit durchschnittlich 1% das mit Abstand schwächste. 2022 lässt grüßen! Ob sich Investoren Ende 2023 genüsslich die Hände reiben? Wer kann das heute schon seriös beantworten?!

Neues gibt es auch von der Europäischen Zentralbank zu verkünden. Der EZB-Chefvolkswirt Philip Lane sieht immer weniger Gründe für eine „weitere Jumbo-Zinsanhebung“ um 0,75% im Dezember. Er verweist darauf, dass die EZB bereits dreimal die Zinsschraube kräftig angezogen habe, um den Kampf gegen die davongaloppierende Inflation aufzunehmen. Im Dezember heißt es, die aktuellen Inflationsaussichten mit in die Entscheidungsfindung miteinfließen zu lassen und auch zu berücksichtigen, dass die Maßnahmen Zeit brauchen, um in der Wirtschaft ihre Wirkung entfalten zu können.

Na dann bin ich einmal gespannt, ob die Notenbank den Fokus auf die abnehmende Wirtschaftsdynamik – für Deutschland, die größte Volkswirtschaft der EU, wird bereits eine negative Wachstumsrate prognostiziert – oder auf die hohen Inflationszahlen und die Geldwertstabilität legen wird. Immobilien-Interessenten würden einen „konservativen“ Zugang der EZB mit Sicherheit befürworten. Der Vizegouverneur der OeNB Gottfried Haber spricht mittlerweile bereits von einem „Leistbarkeitsproblem im Bereich der Immobilien“. Höhere Zinsen, eine stark ansteigende Inflation sowie strengere Kreditvergabestandards haben die Nachfrage nach Immobilienkrediten bereits deutlich gedämpft. Ein Spagat der unterschiedlichen Interessen, der einer ungelenken Notenbank nur schwer zu gelingen vermag.

Kommen wir noch zum österreichische ATX. Die s Immo muss sich aus dem Leitindex nach der Übernahme durch die CPI verabschieden. Nein, keine Sorge, das hat nichts mit einer drohenden Immobilienkrise zu tun, sondern hängt mit dem zu geringen Streubesitz zusammen. Und für alle Skeptiker und kritischen Zeitgenossen sei noch angeführt, dass den Platz an der Sonne der Baukonzern Strabag übernehmen wird. Insofern können wir entspannen.

Ganz anders sieht die Lage am Kryptowährungsmarkt aus. El Salvador, das bisher einzige Land, dass den Bitcoin als Zahlungsmittel eingesetzt hat, kommt zusehends unter Druck und zittert um die Staatsfinanzen. Staatschef Nayib Bukele ist bekennender Bitcoin-Fan und hat bereits im September 2021 – aus heutiger Sicht zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt – damit begonnen, mit Steuergeld systematisch eine Bitcoin-Reserve für den Staatshaushalt aufzubauen. Vor mittlerweile etwas mehr als einem Jahr hat der Bitcoin-Kurs seinen absoluten Höchststand erreicht. Seit damals hat der Kurs um mehr als 70% nachgegeben. Bukele bleibt optimistisch und will die Bestände – standesgemäß für einen jungen Präsidenten wurde das über Twitter veröffentlicht – weiter ausbauen und das Land perspektivisch auf Bitcoin umstellen. Auf der anderen Seite stehen Skeptiker, die der Aufwertung von Bitcoins zur Landeswährung durchaus skeptisch gegenüber stehen. Manch einer spricht sogar von russischem Roulette. Das zeigt wieder einmal deutlich, wie stark die Fronten zwischen Befürworter und Gegner verhärtet sind. Besser als Bukele könnte ich es nicht zusammenfassen: „Manche verstehen es, manche nicht!“