Finanznews, 02.04.2022

Ein gefährlicher Mix für Investoren

In dieser Kolumne geht es Wladimir Putins Umgang mit dem Kleingedruckten, angespannte Risikobudgets und die Frage, wie Private ihr Geld veranlagen.

Nein, das ist kein April-Scherz

Vorbei sind die warmen Frühsommertage. Passend dazu verkündet Russlands Präsident Wladimir Putin, dass ab 1. April ausländische Investoren russisches Gas nur mehr mit Rubel bezahlen können. Bezahlt werden soll das am besten von einem Konto bei der Gazprombank. Und nur um das Vornewegzunehmen: Nein, das ist kein April-Scherz. Westliche Staaten haben sich jedoch bis dato geweigert, da eine Bezahlung in US-Dollar bzw. Euro vertraglich geregelt sei. Ob das Russlands Putin wirklich interessieren wird, was im Kleingedruckten der Lieferverträge stehen mag, darf durchaus bezweifelt werden. Der wirtschaftspolitische Ringeltanz geht damit in die nächste Runde.

Steigende Energiepreise wirken inflationstreibend und Monat für Monat werden neue Höchststände erreicht. In der Eurozone lag die Teuerungsrate im März bereits bei 7,6%, in Deutschland kletterte sie auf 7,3%. Die Österreichische Nationalbank warnt bereits davor, dass die Inflation bei einer Verschärfung der Ukraine Krise sogar auf 9 Prozent klettern könnte. Eines schein fix: Der reale Geldwertverlust knappert an unserem Geldbörsel.

Mittlerweile sind auch die Zinsmärkte stark davon betroffen. Der Deutsche Bund-Future repräsentiert eine 6%ige Bundesanleihe mit einer Restlaufzeit von 10 Jahren. Eigentlich ein sicheres Investment, sollte man meinen. Nicht so im März 2022. Investoren mussten aufgrund des Zinsanstieges deutliche Verluste hinnehmen und verloren mit dem „risikolosen“ Investment 8% an Wert. Das schlägt sich auch in den Büchern von institutionellen Investoren wie Versicherungen oder Pensionskassen nieder. Die Risikobudgets sind bereits angespannt.

“Für Investoren stellt eine hohe Inflation in Kombination mit tiefen Zinsen einen gefährlichen Mix dar.”

Aufgrund der jeweiligen Steilheit der Zinskurve lässt sich die Einschätzung der Marktteilnehmer gut zusammenfassen. Eine steile Zinskurve bedeutet, dass der Investor dafür belohnt wird, sein Geld längerfristig dem Schuldner zu leihen. Eine 30jährige Anleihe würde demnach mehr Rendite bringen als beispielsweise eine Anleihe mit fünf Jahren Laufzeit. Bei einer flachen Zinskurve bekäme der Gläubiger für beide Laufzeiten die gleiche Rendite und bei einer inversen Zinskurve nimmt die Rendite der Anleihen mit zunehmender Restlaufzeit ab. Letzteres Szenario kommt eher selten vor ist ein Indiz dafür, dass die Wirtschaftsdynamik deutlich abgenommen hat. In den USA war es diese Woche so weit. Die Rendite für eine 5jährige US-Staatsanleihe brachte erstmals mehr Rendite als ihr 30jähriges Pendant. Das hängt auch damit zusammen, dass die US-Notenbank in den letzten Wochen deutlich weniger Staatsanleihen gekauft hat. Der Markt gewinnt damit langsam wieder die Oberhand. Die Anzeichen verdichten sich immer mehr, dass der Fed-Präsident Powell heuer noch einige Male kräftig an der Zinsschraube drehen wird. Für Zinsinvestoren stehen ruppige Zeiten bevor.

Für Investoren stellt eine hohe Inflation in Kombination mit tiefen Zinsen einen gefährlichen Mix dar. Der Realzins – also jener Wert, der nach Abzug der Inflation übrig bleibt – ist im tiefroten Bereich und auf dem niedrigsten Wert seit der Ölkrise in den 1970ern. In Österreich wuchsen die Bankeinlagen trotz des Umfelds um €10 Milliarden auf knappe €300 Milliarden an. Bei einer „Realverzinsung“ von -6%, verlieren Österreicher mit ihren Spareinlagen jährlich satte €18 Milliarden an Kaufkraft. Das ist das Ausmaß von drei größeren Steuerreformen und pro Kopf und Nase immerhin satte €2.250. Kein Wunder, dass in diesem Umfeld auch das veranlagte Volumen in Investmentfonds kontinuierlich ansteigt. Mittlerweile halten Private knapp €90 Milliarden in Investmentzertifikaten. Im Vorjahr erfreute sich die Finanzbranche über Nettomittelzuflüssen von €15 Milliarden. Besonders stark im Trend liegen nachhaltige Fonds und dabei insbesondere jene, die sich den Kriterien des Österreichischen Umweltzeichens (UZ49) unterwerfen. Diese zertifizierten Fonds verzeichneten mehr als die Hälfte aller Zuflüsse in heimischen Fonds.

Der Trend geht unbeirrt in Richtung Nachhaltigkeit. Wie die Reise für die Kapitalmärkte weitergeht, wage ich aber beim besten Willen nicht zu prognostizieren. Alles ist möglich ….  aber nix ist fix!