Finanznews, 29.10.2022

Horrormeldungen und positive Prognosen

In dieser Kolumne geht es um eine Welt im Zustand des Stresses, das Shareholder-Value Problem von Adidas und die Frage, wie Experten falsche Prognosen erklären.

Unsere ständigen Begleiter ...

Während mein Espresso sanft aus der Kaffeemaschine in meine Tasse strömt, kommt die Erinnerung wieder hoch. Heute Nacht habe ich von der ewigen Stadt geträumt. Rom, eine grandiose Zeit der Hochkultur, die über viele Jahrhunderte das Gesicht der damaligen bekannten Welt geprägt hat. Ich bin mir sicher, dass  die Wenigsten damit gerechnet haben, dass es eine Zeit nach dem römischen Reich geben wird und andere Mächte das Kommando übernehmen. Doch eine überbordende Bürokratie, Dekadenz und final auch starke Migrationsströme, die heute unter der Völkerwanderung bekannt sind, haben dem Reich den Todesstoß versetzt. Parallelen zu heute sind dabei rein zufällig. Gehen Sie weiter, es gibt nichts zu sehen!

Unsere Welt befindet sich weiterhin im Wandel. Der Mensch kann nicht zu lange im Zustand des Stresses leben. Deswegen akzeptieren wir nach einiger Zeit die Umstände, auch wenn sie wenig erfreulich sind. Krieg, die Angst vor einer atomaren Katastrophe, Energiekrise, eine nahende Hungersnot wegen dem fehlenden Weizen aus der Kriegsregion und viele weitere Sorgen sind unsere täglichen Begleiter.

Hinzu kommt eine Inflation, die sich nicht einmal im Ansatz zu verringern scheint. Die Prognosen sind oft positiv, haben aber den Hintergrund, Menschen die Angst zu nehmen und werden ziemlich sicher nicht in der Form eintreffen. In diese Anhäufung an Horrormeldungen gab es diese Woche wieder die Meldung, dass die Zentralbanken die Zinsen weiter erhöhen werden. Die EZB setzte am Donnerstag einen Zinsschritt um 0,75% nach oben auf mittlerweile 2%.

Wie reagiert der Markt darauf? Die Kurse sind gestiegen. Nicht nur am breiten Aktienmarkt sondern sogar bei Anleihen konnten im Schnitt positive Erträge gutgeschrieben werden. Die übliche Antwort lautet: „Das war ja schon alles eingepreist.“ Ich muss unmittelbar an eine leider wahre Aussage denken: „Experten sind Menschen, die nachher genau sagen können, warum sie vorher falsch gelegen sind.“ Es gibt keinen Ort der Welt, auf den das mehr zutrifft, als auf der Börse.

“Eine sommerliche Hitzewelle in Pakistan mit 51 Grad Celsius, 40 Grad im Vereinigten Königreich und auch eine Kündigungswelle von Häuserversicherungen an der Küste in Florida sind deutlich Warnsignale.”

In der Woche rund um den österreichischen Nationalfeiertag sind uns auch wieder eindrücklich die Folgen des Klimawandels vor Augen geführt worden. Es wird wärmer. Im Herbst führt das zu angenehmen Momenten, die aber natürlich auf globaler Ebene und aufs Jahr gerechnet nicht positiv zu bewerten sind. Doch welchen Einfluss hat der Mensch überhaupt auf das Klima?

Es wurde in der Vergangenheit schon oft wärmer und kälter, auch vor dem Anthropozän. Mit der sogenannten Zuordnungsforschung kann das  mittlerweile sehr präzise nachgewiesen werden. Das bedeutet man kann abschätzen, welche Naturkatastrophen stattfinden, weil wir über unseren Verhältnissen leben und die Natur zerstören. Eine sommerliche Hitzewelle in Pakistan mit 51 Grad Celsius, 40 Grad im Vereinigten Königreich und auch eine Kündigungswelle von Häuserversicherungen an der Küste in Florida sind deutlich Warnsignale. Es wird mir einmal mehr bewusst, dass es Zeit ist, die Verantwortung in Bezug auf den Umgang mit dem Planeten noch ernster zu nehmen.

Bei börsennotierten Unternehmen ist es natürlich auch nie langweilig. Elon Musk hat die ersten 13 Milliarden USD für den Twitter-Kauf überwiesen. Kanye West, der sich mittlerweile nur noch „Ye“ nennt, ist aber trotzdem der Hauptakteure dieser Woche. So kündigte Adidas eine Kooperation mit ihm wegen antisemitischer Aussagen auf. Das soll Adidas alleine für das 4. Quartal 2022 bis zu 250 Millionen USD Nettogewinn kosten. Ich schreibe diese Zeilen so einfach, aber während ich das tue, wird mir gerade bewusst, was für eine irrsinnige Marktmacht manche Menschen auf dieser Welt haben. Da wird einmal mehr deutlich, warum z.B. auch im Sport solche absurden Gehälter bis hin zu Ablösesummen bezahlt werden.

Nun stelle ich mir darüber hinaus gerade die Frage, was die Shareholder von Adidas zu dieser Entscheidung sagen? Natürlich ist Antisemitismus immer und sofort klar zu verurteilen, aber die wirtschaftlichen Konsequenzen, die die Eigentümer nun zu tragen haben, sind natürlich trotzdem sehr wesentlich. Inwieweit es an Dekadenz grenzt auf alle Gefühle dieser Welt zu achten, koste es was es wolle, möchte ich hierbei gar nicht beurteilen. Was ich jedoch mit Sicherheit weiß: „Allen Leuten Recht getan, ist eine Kunst die niemand kann.“ In diesem Sinne, seien Sie empört oder auch nicht, aber genießen Sie die eine Stunde mehr und das schöne Wetter, die uns an diesem Wochenende geschenkt werden.