Finanznews, 08.10.2022

Kaffee als Luxusgut und Druck auf “Häuslbauer”

In dieser Kolumne geht es um gescheiterte Rettungsmaßnahmen eines Bankvorstandes, die startende Berichtssaison und die Frage, warum Tech-Aktien doppelt unter höheren Zinsen zu leiden haben.

Notenbanken sind in Lauerstellung

Mein morgendlicher Espresso ist zum Luxusgut gereift. Zu dieser Ansicht ist zumindest die europäische Statistikbehörde Eurostat gekommen. Allein im August ist der Kaffeepreis im Vergleich zum Juli um 16,9% gestiegen. Zu meinem Glück verzichte ich auf weitere Zutaten. Bei Milch und Zucker sind die Preisausschläge nämlich um ein Vielfaches höher.

Die Inflationsraten haben mittlerweile schier als unmöglich erachtete Niveaus erreicht. Die Notenbanken sind in Lauerstellung. Es gilt als ausgemachte Sache, dass sowohl die Europäische Zentralbank als auch die amerikanische Fed bei ihren nächsten Zusammenkünften erneut an der Zinsschraube drehen werden. Dies- und jenseits des Atlantiks bleibt die Teuerungsrate das bestimmende Thema. Vertreter der Fed bereiten den Markt schon darauf vor, dass Zinssenkungen für 2023 eher unwahrscheinlich sind. Selbst unter der Annahme, dass der Konjunkturmotor aufgrund der stark steigenden Zinsen beträchtlich zu stottern beginnt.

Hohe Zinsen machen Kredite teuer. Das betrifft sowohl die Schuldner ohne Fixzins-Vereinbarung aber auch all jene, die erst eine Finanzierung abschließen. Laut der Nationalbank ist der Zinssatz für neu vergebene Kredite im August über die 2%-Marke geklettert und hat damit das höchste Niveau seit Februar 2017 erreicht. Im Vergleich dazu gingen Finanzierungen vor eineinhalb Jahren noch durchschnittlich mit knapp über 1% über den Tisch. Insofern ist es wenig verwunderlich, dass die Kreditnachfrage zur Schaffung und Erhaltung von Wohnraum deutlich zurückgegangen ist und auf den niedrigsten Wert seit mehr als fünf Jahren gefallen ist. Neben den höheren Finanzierungskosten ist das mit Sicherheit auch auf die verschärften Kreditvergaberichtlinien zurückzuführen.

Neben dem „Häuslbauer“ sind auch Unternehmensfinanzierungen spürbar teurer geworden. Das bekommen vor allem Technologie-Aktien zu spüren. Der Tech-Index Nasdaq Composite musste 2022 im Vergleich zum Gesamtmarkt deutlich Federn lassen und hat nahezu ein Drittel seines Wertes eingebüßt. Höhere Zinsen belasten Unternehmen doppelt. Zum einen werden die Finanzierungskosten teurer, was sich wiederum negativ auf die Unternehmensergebnisse auswirkt. Das trifft vor allem jene, die ihr Wachstum mit Fremdkapital finanzieren. Zum anderen bewerten viele Investoren Unternehmen nach fundamentalen Ansätzen, indem sie einen Barwert ermitteln. Dabei werden zukünftige Gewinne des Unternehmens abgezinst. Und je höher der Zinssatz, desto geringer ist der heutige Wert des Unternehmens.

“Die Credit Suisse wurde bereits 1856 gegründet, beschäftigt mehr als 50.000 Mitarbeiter und gehört zu den weltweit 30 systemrelevanten Banken. Größe schützt aber vor Skandalen nicht.”

Im Oktober startet die neue Berichtssaison. Ich bin schon sehr gespannt auf die Unternehmensergebnisse. Ob damit ein Ende des Bärenmarktes eingeläutet werden kann, wage ich aber nicht zu prognostizieren.

Auch wenn 2022 nicht unbedingt ein Jahr der Tech-Aktien ist, konnten diese bei etwas längerer Betrachtung eine beeindruckende Rallye hinlegen. Die Gewichtung des Technologiesektors, die auf Basis des Börsenwertes ermittelt wird, hat sich in den vergangenen 10 Jahren nahezu verdoppelt. Im Gegensatz dazu kam der Finanzsektor – insbesondere europäische Institute – unter die Räder.

Dieser Tage sorgt eine Schweizer Großbank für Schlagzeilen, auf die sie wohl gut und gerne verzichten würde. Die Credit Suisse wurde bereits 1856 gegründet, beschäftigt mehr als 50.000 Mitarbeiter und gehört zu den weltweit 30 systemrelevanten Banken. Größe schützt aber vor Skandalen nicht. Die Bank wurde unter anderem mit der Beschattung eines abtrünnigen Mangers oder auch einen Geldwäschefall rund um einen mutmaßlichen Kokainhändlerring konfrontiert. Letztes Wochenende versuchte der Vorstandsvorsitzende Ulrich Körner noch zu beruhigen. Man habe genug Kapital und sei in einer starken Liquiditätssituation. Der Schuss ging nach hinten los. Die Aktienkurse sind zu Wochenbeginn eingebrochen. Obwohl sich die Börsenkurse mittlerweile wieder etwas erholen konnten, bleibt die Lage angespannt. Zurück bleiben nervöse Investoren. Aktuell notiert die Aktie bei rund 4 Schweizer Franken. Und das ist nur mehr ein Bruchteil des Börsenkurses im Jahr 2007. Damals gingen Credit Suisse Aktien noch mit über 80 Schweizer Franken über den Tisch. Ich bin schon gespannt, ob dieses Wochenende der liebe Ulrich wieder versuchen wird, die Märkte zu beruhigen?