Finanznews, 16.04.2022

Keine Geschenke und gebrochene Dämme

In dieser Kolumne geht es um Wirtschaftsprognosen, Elon Musks Vorliebe für Redefreiheit und faule Ostereier.

Faule Eier und der Konjunkturhimmel

Das Osterwochenende steht vor der Tür. Für die Osternestsuche ist es aber noch zu früh.

Keine Geschenke gibt es auch auf der Inflationsfront, wo alle Dämme gebrochen zu sein scheinen. Die US-Erzeugerpreise steigen im Rekordtempo auf +11,2%. Ausschlaggebend dafür sind nach wie vor die durch den Ukraine-Konflikt angeheizte Energiekrise und die anhaltenden Lieferengpässe. Das ist ein Vorbote für die Verbraucherpreise, die mit aktuell 8,5% bereits jetzt den höchsten Wert seit den frühen 1980ern erklommen haben.

Der Druck auf die US-Notenbank steigt damit weiter. Weitere Zinserhöhungen erscheinen unausweichlich. Einige Volkswirte großer Finanzinstitute, wie z.B.  der Deutschen Bank, befürchten bereits, dass die größte Volkswirtschaft der Welt aufgrund der veränderten Notenbankpolitik in eine Rezession abgleiten könnte. Darüber hinaus verkündete die Welthandelsorganisation, dass die Weltwirtschaft heuer um nur 2,8% anstatt wie bisher angenommen um 4,1% wachsen wird. Kritisch sieht die WTO-Chefin vor allem eine Aufteilung der Weltwirtschaft in zwei Blöcke, was wiederum weder für den Wohlstand noch für den Frieden förderlich ist.

“Das klingt alles sehr schauerhaft. Als Fondsmanager habe ich gelernt, dass man die Zukunft nicht vorhersagen kann.”

Diese Woche tagte auch die Europäische Zentralbank. Im Gegensatz zur Fed belässt die EZB den Leitzins bei 0%. Es wurde aber angekündigt, sich von der ultralockeren Geldpolitik zu verabschieden. Im ersten Schritt werde man die Anleihenkäufe zurückfahren. Volkswirte gehen bereits davon aus, dass eine Leitzinserhöhung im 4. Quartal 2022 bereits ante portas steht. Das wäre im Angesicht einer dahingaloppierenden Inflation angebracht. Selbst unter der Gefahr, dass sich der Horizont am Konjunkturhimmel deutlich eintrübt.

Auch die Finanzmärkte kühlen spürbar ab. Die große amerikanische Bank JP Morgen hat ihren Kunden bereits empfohlen, Aktien zu verkaufen und damit Gewinne zu realisieren. Das klingt alles sehr schauerhaft. Als Fondsmanager habe ich gelernt, dass man die Zukunft nicht vorhersagen kann. Wir leben in einer sehr schnelllebigen Zeit und sehr komplexen bzw. vernetzen Welt. Bereits ein Ereignis wie die russische Invasion in der Ukraine oder der Ausbruch einer weltweiten Pandemie kann das ganze System ins Wanken bringen oder aber auch einen Trendwechsel einleiten.

JP Morgan hat diese Woche auch ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Der US-Brachenprimus muss einen Gewinneinbruch von über 42% im Vergleich zum Vorjahr verdauen. Das ist definitiv viel und auch unangenehm. Allerdings steht man mit einem satten Quartalsgewinn von über $8 Milliarden auch nicht unmittelbar vor dem Ruin.

Und auch der Tech-Multimilliardär Elon Musk sorgt diese Woche für Schlagzeilen, als er mehr als $40 Milliarden für den Kurznachrichtendienst Twitter bietet. Musk besitzt bereits 9% des Unternehmens und bietet $54,2 pro Aktie und damit einen Aufschlag von 38% zum aktuellen Kurs. Elon will damit die Redefreiheit gewährleisten und hat bereits angekündigt, dass er im Falle eines Scheiterns sich einen kompletten Rückzug vorstellen könnte. Da werden seine mehr als 80 Millionen Follower wohl wenig begeistert sein. Nächste Woche nimmt die Berichtssaison in den USA so richtig Fahrt auf. Ob uns da wohl das eine oder andere faule Ei ins Nest gelegt wird? Wenigstens gibt es morgen „Urbi et orbi“.