Nachhaltigkeit 3.0 – Warum Corona und der Ukraine-Krieg alles verändert haben

Einleitung

Die Welt, wie wir sie kannten, gehört spätestens seit der Corona-Krise im Jahr 2020 der Vergangenheit an. Auf radikale Einschränkungen der Bewegungsfreiheit und eine stärkere Forcierung von IT und E-Mobilität folgte eine Teuerungswelle infolge von Lieferkettenunterbrechungen, begleitet von einem Erdgas- und Erdölpreisschock, der durch den Ukraine-Krieg noch verstärkt wurde. Dieser ist der erste Krieg zwischen europäischen Ländern seit 1945 und stellt eine humanitäre Katastrophe dar. In diesem Zusammenhang müssen wir uns die Frage stellen, wie das in Europa passieren konnte bzw. auch warum wir es soweit kommen haben lassen.

In den letzten Jahren dominierte das Thema Nachhaltigkeit Wirtschaft und Börse. Vor allem der Klimawandel wird vom World Economic Forum als größte Gefahr für die Menschheit eingestuft. Nur verschwindet die Bedeutung der Erderwärmung im Lichte der atomaren Gefahr, die momentan von Russland ausgeht. Nachhaltigkeit ist kein statischer Zustand. Nachhaltigkeit ist ein sich laufend verändernder Prozess, der zwar langfristige Ziele hat, die aber unter Berücksichtigung aktueller Zeitgeschehnisse interpretiert und gelebt werden muss. Den Rahmen dafür stecken EU und staatliche Regulatoren zunehmend enger ab. Was einst noch mehr auf freiwilliger Basis einzelner Staaten vollzogen wurde, ist heute wesentlich verbindlicher. Die guten Vorsätze begannen dabei schon vor mehreren Jahrzehnten mit der wirtschaftlichen und medizinischen Unterstützung von Entwicklungsländern.

 

Welt im Wandel

1. Evolutionsstufe: MDGs

Fokus – Situation in Entwicklungsländer verbessern

Auf dem Millenniums-Gipfel im September 2000 wurde die Millenniumserklärung verabschiedet. Aus ihr wurden später acht internationale Entwicklungsziele abgeleitet, die Millenniumsentwicklungsziele (MDGs, Millennium Development Goals), die bis zum Jahr 2015 erreicht werden sollten, nämlich:

1.) den Anteil der Weltbevölkerung, der unter extremer Armut und Hunger leidet, halbieren

2) allen Kindern eine Grundschulausbildung ermöglichen

3) die Gleichstellung der Geschlechter fördern und die Rechte von Frauen stärken

4) die Kindersterblichkeit verringern

5) die Gesundheit der Mütter verbessern

6) HIV/Aids, Malaria und andere übertragbare Krankheiten bekämpfen

7) den Schutz der Umwelt verbessern

8) eine weltweite Entwicklungspartnerschaft aufbauen.

Hier ist bis 2015 viel geschehen, ehe die UNO in der Agenda 2030 neue nachhaltige Entwicklungsziele für 2030 formulierte. Beispielsweise ist die Anzahl der Menschen, die in extremer Armut leben von 1990 bis 2015 von 1,9 Milliarden auf 836 Millionen gesunken. Die Kindersterblichkeit am Land ist von 9% auf 4,3% gesunken und mehr als 6,2 Millionen Malaria-Todesfälle konnten zwischen 2000 und 2015 verhindert werden.

Weltweit haben 2,1 Milliarden Menschen Zugang zu besseren Sanitäreinrichtungen erhalten und der Anteil jener Menschen, die ihre Notdurft im Freien verrichten, hat sich seit 1990 fast um die Hälfte verringert. Doch der Klimawandel und Dürrekatastrophen führen erneut zu verstärktem Wassermangel. 2,2 Milliarden Menschen weltweit haben keinen regelmäßigen Zugang zu sauberem Wasser. Eine unfassbare Zahl. Rund 785 Millionen Menschen haben noch nicht einmal eine Grundversorgung mit Trinkwasser. Betroffen sind vor allem Menschen oder Familien in den ärmeren Regionen der Welt. Somit lautet das sechste der 17 UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs): „Wasser und Sanitätsversorgung für alle“.

 

Hintergrundinfo: 17 UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung:

1) Armut in allen Formen und überall beenden.

2) Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern.

3) Ein Gesundes Leben für Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr wohlergehen fördern.

4) Gleichberichtigte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten lebenslangen Lernens für alle fördern.

5) Geschlechtergleichstellung erreichen und alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung befähigen.

6) Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitätsversorgung für alle gewährleisten.

7) Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, nachhaltiger und moderner Energie für alle sichern.

8) Dauerhaftes, inklusives und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern.

9) Eine widerstandsfähige Infrastruktur aufbauen, inklusive und nachhaltige Industrialisierung fördern und Innovationen unterstützen.

10) Ungleichgewicht in und zwischen Ländern verringern.

11) Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig gestalten.

12) Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sicherstellen.

13)Umgehend Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen ergreifen.

14) Ozeane, Meere und Meeresressourcen im Sinne nachhaltiger Entwicklung erhalten und nachhaltig nutzen.

15) Landökosysteme schützen.

16) Frieden, Gerechtigkeit und stärkere Institutionen.

17) Umsetzungsmittel stärken und die globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung mit neuem Leben erfüllen.

 

2. Evolutionsstufe: SDGs (inkl. Pariser Klimaabkommen, EU-Aktionsplan)

In einer weiteren Stufe gewann infolge zunehmender Wetterkapriolen und Naturkatastrophen der Klimaschutz an Bedeutung. Ein wesentlicher Meilenstein war die UN-Klimakonferenz in Paris im Dezember 2015, in der sich 197 Staaten auf ein neues globales Klimaschutzabkommen einigten. Es trat am 4. November 2016 in Kraft und verfolgt drei Ziele:

  • Die Staaten setzen sich das globale Ziel, die Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter auf “deutlich unter” zwei Grad Celsius zu begrenzen mit Anstrengungen für eine Beschränkung auf 1,5 Grad Celsius.
  • Die Fähigkeit zur Anpassung an den Klimawandel soll gestärkt werden und wird neben der Minderung der Treibhausgasemissionen als gleichberechtigtes Ziel etabliert.
  • Zudem sollen die Finanzmittelflüsse mit den Klimazielen in Einklang gebracht werden.

Zur Sicherstellung der Ziele findet alle fünf Jahre, beginnend 2018, eine globale Bestandsaufnahme statt. Die nationalen Klimaschutzbeiträge müssen ab 2025 alle fünf Jahre fortgeschrieben und gesteigert werden.

Energiewende und grüne Mobilität sind seither Dauerthemen, begleitet von Klimaaktionen und Aktionismus sowie teils gewaltsamen Klimaprotesten der Gelbwesten in Frankreich.

Einer der Höhepunkte dieser Evolutionsstufe war im Dezember 2018 ein Treffen von Greta Thunberg mit UN-Generalsekretär Antonio Guterres und deren Rede in der UN-Klimakonferenz in Katowice (Polen).  In den Jahren 2015 bis 2019 fand auch bei den Konsumenten ein Umdenken statt. In der EU ist die Anzahl der neu zugelassenen Batterie-Elektro-Autos in diesem Zeitraum von 71.000 auf 242.000 gestiegen und 2019 war das Jahr der weltweiten Klima-Demonstrationen.

Ein weiterer Höhepunkt noch kurz vor der Corona-Krise folgte mit einer Verschärfung der Nachhaltigkeitsziele der EU: Der am 11. Dezember 2019 von der EU vorgestellte „European Green Deal“ mit dem Ziel, bis 2050 in der EU die Netto-Emissionen von Treibhausgasen auf null zu reduzieren, führt zu einer Verschärfung zuvor genannter Nachhaltigkeitsziele.  Die EU-Führungsspitzen billigten das neue verbindliche EU-Ziel, die Treibhausgasemissionen in der EU bis 2030 netto um mindestens 55 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 zu verringern. Die EU hat sogar eine dreistufige Wasserstoffstrategie bis 2050 erarbeitet, mit dem Ziel, einer signifikanten Kostenreduktion in der Herstellung von grünem Wasserstoff auf Basis erneuerbarer Energien in den Jahren 2025 bis 2040.

In weiterer Folge nahmen bis 2021 auf EU-Ebene Initiativen hin zur Energiewende und neuen Mobilität Kontur an: Zur Erreichung der CO2-Ziele will die EU ab 2035 keine Neuwägen mit Verbrennungsmotoren mehr zulassen. Betroffen sind davon alle neuen PKW vom Kleinstwagen bis zum SUV, sowie leichte Nutzfahrzeuge wie kleine Transporter mit zulässigem Gesamtgewicht bis 3,5 Tonnen.

 

3. Evolutionsstufe: 2020 Corona / 2022 Ukraine

Die letzten Jahrzehnte waren geprägt von Frieden und Wohlstand. Diese haben jedoch zu einigen Fehlentwicklungen geführt, die vor allem in der Coronakrise sichtbar geworden sind. Das Motto in der Produktion lautete: „billig, schnell und effizient“. Lagerkosten wurden durch Just-in-Time-Liefersysteme eliminiert und Lohnkosten durch Auslagerung der Produktion an Standorte mit den niedrigsten komparativen Kosten. Transporte per Schiff, Flugzeug, Eisenbahn und LKW hatten wie ein Schweizer Uhrwerk zu funktionieren. Der Faktor Arbeitskraft wurde dabei rücksichtslos ausgebeutet. Mega-Lagerhäuser, billige „Paketsklaven“, Billigflieger, die oft weniger als 50 Euro für Flüge von München nach London verlangten und billige Massenprodukte aus China prägten diese Ära. Auf der Strecke blieben die Natur, der Mensch und Nutztiere. Wirtschaftswachstum stand im Vordergrund und deckte Korruption im öffentlichen Dienst und sogar in der Privatwirtschaft genauso wie Menschenrechtsverletzungen und Einschränkungen von Grundfreiheiten zu.  Dort präsent zu sein, wo Geld verdient wird und die Steuern niedrig sind, war für Viele die Maxime des Handelns. Doch der Preis, den die Wirtschaft heute dafür auf breiter Front zahlt, ist hoch.

Letzteres ist eine erste Quintessenz aus der Corona-Krise und dem aktuellen Krieg in der Ukraine. Durch die Corona-Pandemie und den Ukraine-Krieg begann für mich eine neue Ära. Spätestens seit dem ersten Lockdown und den unterbrochenen internationalen Lieferketten wurde uns in Europa bewusst, dass die vorangestellte Globalisierung durchaus auch Schattenseiten hat. Regionalität ist wieder salonfähig und es ist das Bestreben zu beobachten, die Abhängigkeit gegenüber anderen Wirtschaftsblöcken deutlich zu reduzieren.

 

Standortbestimmung

Die einzelnen strukturellen Schwachstellen der europäischen Wirtschaft stehen im engen Zusammenhang einer Missachtung von ESG-Grundsätzen.

ESG wurde missachtet:

  • In bilateralen Handelsbeziehungen und bei Energieimporten
  • Bei der Wahl von Produktionsstandorten
  • Bei Importen der Industrie und des Einzelhandels
  • Bei privaten und institutionellen Investments
  • In der Auswahl von Geschäftspartnern und Mitarbeitern (Who are you in an agreement with? Mitgehangen – Mitgefangen!)
  • Fehlallokation von Staatsgeldern durch Rüstungsausgaben

ESG-Analysen sind erweiterte Instrumente des Risikomanagements, die auch jenseits der Investmententscheidungen wertvolle Hilfe bieten. Das zeigen folgende Beispiele:

 

1. Energieabhängigkeit

Alleine der Energie-Mix der EU hat es in sich: 36% Öl / 22% Erdgas und 13% Kernenergie – zusammen über 70% des Energiebedarfs. Hinzukommen noch alte Kohlekraftwerke. Erneuerbare Energie: aktuell „nur“ 15%. Ein pikantes Detail am Rande ist dabei, dass der Löwenanteil der fossilen Energieversorgung aus Ländern stammt, die in punkto „Integritäts-Ranking“ sehr weit unten gereiht sind, insbesondere wegen Korruption und Menschenrechtsverletzungen. Aus diesen Ländern liefern vor allem (teil)staatliche Firmen, was die Importe auch noch in geopolitischen Konfliktphasen zu einem „Politikum“ macht.

In Bezug Erdöl/Erdgas ist Russland wichtigster Handelspartner der EU. Schließlich stammen 27% der Ölimporte und 41% der Gasimporte aus Russland. Eine Reihe von Ländern inklusive Österreich haben ein besonders hohes „Klumpenrisiko“ in der Versorgung, denn: Laut den von statista unter Berufung auf die European Union Agency for the Cooperation of Energy Regulators für 2020 veröffentlichten Daten beziehen Nordmazedonien, Bosnien und Herzegowina und Moldawien 100% ihres Erdgases aus Russland. Finnland, Lettland und Bulgarien importieren jeweils 94%; 93% bzw. 77%. Österreich bezieht 80% des Erdgases aus Russland verglichen mit Deutschland, das nur 49% aus Russland importiert.

Pikantes Detail am Rande ist die Abhängigkeit von einem teilverstaatlichten „Oligarchen-Unternehmen“, nämlich Gazprom, von der die EU ein Viertel des Erdgases bezieht, um rund ein Zehntel ihres Energiebedarfs zu decken!

Nicht umsonst haben wir derzeit so hohe Inflationsraten. 3,12 Prozentpunkte der Jahresinflation im Euroraum von 5,9% sind auf einen 32%igen Anstieg der Energiepreiskomponente zurückzuführen, die im HVPI mit 10,93% gewichtet ist. Erdgas verteuerte sich binnen sechs Monate um 155% und Brent-Oil um 47%. Die Zeche der Teuerung zahlt dann primär die ärmere Bevölkerungsschicht. Denn dort fällt dies besonders stark ins Gewicht, während Reichere über inflationsbedingte Wertzuwächse bei der Geldanlage per Saldo sogar daran profitieren. Unter diesem Aspekt verschärft die hohe Inflation noch den Gegensatz zwischen Arm und Reich. Hervorgerufen wurde jedoch die aktuelle Teuerungskrise Großteils durch falschen Energiemix und wenig reflektierte Auswahl von Handelspartnern.

Die aktuelle Energieversorgungslage erzeugt automatische einen Zielkonflikt zwischen der langfristig angestrebten CO2-Neutralität (bis 2050) und der kurzfristigen Deckung des Energiebedarfs. Die kurzfristige Lösung liegt hier wieder in einer Verschiebung von Importen. Flüssiggas-Schiffe, die Europa versorgen wären auf den ersten Blick so eine Zwischenlösung mit Schönheitsfehler: Der Engpass liegt in den Flüssiggas-Terminals, die das über Pipelines angelieferte Erdgas für den Transport auf Spezialschiffen verflüssigen. Da kaum mehr Schiffe beladen werden können, werden in einer Art „Bieterstreit“ mit Asien gegen entsprechende Bezahlung immer häufiger Frachtschiffe nach Europa umgeleitet. Mittlerweile geht bereits die Hälfte des Flüssiggases nach Europa. Doch es gibt langfristige Lieferverträge amerikanischer Lieferanten mit China, sodass diese „Sonderkonstellation“ kein Dauerzustand ist. LNG (Flüssiggas) kann aus Australien, Katar und den USA importiert werden, Erdgas kann noch von Nordafrika kommen. Doch das ändert nichts an der Tatsache, dass 60% der Energie in der EU importiert wird. Doch Fracking zur Ölproduktion, so wie es die USA machen ist keine Lösung, da dies verheerende Umweltschäden verursacht.

Der europäische Weg muss ein nachhaltiger Weg sein, die nötige Infrastruktur aufzubauen, um die aktuellen Abhängigkeiten zu verringern. Eine stärkere Forcierung von grünem Wasserstoff als Energiespeichermedium und Ausbau der erneuerbaren Energien aller Art wäre ein Ansatz und EU-taxonomiekonform.

 

2. Rüstung

Schon aus dem Kalten Krieg können wir lernen, dass Gelder, die in die Rüstung fließen, im zivilen Bereich fehlen. Noch immer fließen jährlich weltweit 1,9 Billionen Dollar in die Rüstung – das sind rund 2,2% der globalen Wirtschaftsleistung. Mehr als die Hälfte davon fallen auf die USA (731 Mrd. USD) und China (261 Mrd. USD). Die Militärausgaben Russlands liegen bei 63 Mrd. Dollar. Die EU hingegen hat binnen 20 Jahren die Rüstungsausgaben um 40% reduziert. Beispielsweise Deutschlands Ausgaben liegen bei 53 Mrd. Dollar, sollen aber nun angehoben werden. Es ist von einem Sonderbudget von 100 Mrd. EUR zum Upgrade der Bundeswehr die Rede.

Weiteres Drohpotenzial geht von Russland und China auch in punkto Größe der Armee aus. China verfügt über 2 Millionen Soldaten, Indien und die USA über 1,4 Millionen, Russland über 850.000 verglichen mit nur 183.000 in Deutschland.

Die Divergenz Finanzmarkt – Politik zeigt sich im Vergleich der Veranlagungsstrategien von staatlichen Pensionskassen und Lebensversicherungen und der Finanzgebarung der Staatshaushalte. Auf der einen Seite kommt es zum Ausschluss von Erdöl/Erdgas-Unternehmen und Rüstungsaktien oder aktuell russischen Aktien und Anleihen. Beispielsweise beschloss der norwegische Pensionsfonds, der insgesamt 1,2 Billionen Dollar veranlagt, den Ausschluss von allen russischen Investments und somit den Verkauf von Staatsanleihen und 47 Unternehmens-beteiligungen im Ausmaß von 2,83 Mrd. Dollar! Auf der anderen Seite liefern die NATO-Staaten der EU Waffen in die Ukraine, während Deutschland das Rüstungs-Etat aufstockt.  Da können wir nur Punkt 16 der UN-Nachhaltigkeitsziele in Erinnerung rufen, nämlich: „Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen“

Und in diesem Zusammenhang werfen sich folgende Kernfragen auf:

  • Wie schaffen wir es, nicht im Bollwerk zwischen den USA und Russland bzw. China / Indien aufgerieben zu werden?
  • Wie können wir die europäischen Werte auch in Zukunft sicherstellen?

 

3. Kritische Infrastruktur und Know-How / Schlüsselunternehmen

Was einst die Japaner in den 80er-Jahren waren, sind heute die Chinesen – aber in einem wesentlich stärkeren Ausmaß, denn: Mehr als jeder vierte im Ausland investierte Euro kommt aus China (exakt 27%). Alleine in den vergangenen Jahren hat China mehr als 1000 EU-Unternehmen gekauft oder sich zumindest wesentlich daran beteiligt.

Extrem ausgeprägt ist die Expansion chinesischer Staatskonzerne und Oligarchen-Firmen nach Afrika. Sie errichten dort die gesamte Infrastruktur von den Straßen, Tunneln bis zu Häusern und Fabriken, bauen Rohstoffe ab, um sie zurück nach China zu bringen. EU-Firmen hatten es nämlich verabsäumt, frühzeitig den afrikanischen Markt für sich zu entdecken.

Mittlerweile dominiert China zahlreiche industrielle Produktionszweige. Doch am kritischsten ist die Abhängigkeit der globalen Halbleiterindustrie von seltenen Erden. China dominiert diesen Markt zu 90% und kann durch Regulierung der Ausfuhr die gesamte Lieferkette der Halbleiterindustrie steuern und notfalls Firmen dazu zwingen, sich gleich in China anzusiedeln. Europa hat in der Halbleiterindustrie eine schlechte Ausgangssituation, denn dieser Markt wird von Firmen aus Asien und den USA dominiert, wobei Asien die wesentlich größere Rolle spielt. Selbst in der Pharmaindustrie hat Europa kritische Infrastruktur ausgelagert. Die für Europa wichtigsten Produktionsstätten von Generika und sonstigen Medikamenten befinden sich in Indien und 70% der Inhaltsstoffe stammen aus China. In Indien hingegen werden für Firmen wie Microsoft wichtige Programmierarbeiten durchgeführt. Bangalore ist die IT-Outsourcing-Metropole des Westens. Dadurch wandert wichtiges Know How immer weiter nach Asien ab.

Europa muss hier durch Aufbau eigener kritischer Infrastrukturen, stärkeren Schutz von geistigem Eigentum und Senkung der Abhängigkeit von Entwicklungsländern entgegenwirken.

 

Schlussgedanke

  • Was ist die konkrete europäische Antwort auf den Ausverkauf Europas?
  • Wie schaffen wir es, die Auslandsabhängigkeiten deutlich zu verringern?

Europa MUSS sich emanzipieren und kann nur geeint dafür sorgen „die europäischen Werte“ hochzuhalten. Dazu gilt es für uns drei Ziele zu erreichen:

  • Souveränität und Unabhängigkeit in der Verteidigungspolitik
  • Reduzierte Abhängigkeit von Energieimporten
  • Rückführung von ausgelagerter kritischer Infrastruktur

Wir können als Europa langfristig nur dann mitgestalten, wenn wir eine Führungsrolle inne- haben. Das 20. Jhdt. Ist ein Schandfleck europäischer Geschichte. Es ist Zeit Nachhaltigkeit neu zu definieren! Ich rufe Experten aus dem Bereich Nachhaltigkeit, Energie, dem Militär und der Politik dazu auf zusammenzukommen, um gemeinsam an einem nachhaltigen Europa zu arbeiten für eine bessere Welt.

 

 

von | Apr 30, 2022

Abgrenzung zur Analyse:

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