Finanznews, 07.01.2023

Neues Jahr, neues Glück?

In dieser Kolumne geht es um SBFs Luxusimmobilien und Milliardenverluste, die aggressive Rhetorik der Notenbanken und die Frage, ob es wahrscheinlich ist, dass der S&P 500 2023 das zweite Jahr in Folge einen Verlust einfährt.

Die Uhren werden auf Null gestellt

Neues Jahr, neues Glück? Das werden wir nach wenigen Tagen im Jahr definitiv noch nicht beantworten können. Eines ist aber klar, die Uhren werden auf Null gestellt und das dicke Minus des Jahres 2022 gerät schön langsam wieder in Vergessenheit. Das Kalenderjahrdenken scheint uns von klein auf anerzogen worden zu sein. Auf der anderen Seite ist es auch gut so. Der MSCI All-Country World Index hat 2022 immerhin das schlechteste Jahr seit der Finanzkrise und Lehman-Pleite im Jahr 2008 erlebt.

Werfen wir einen Blick auf die Finanzmärkte. Der US-Arbeitsmarkt hat sich 2022 als widerstandsfähiger Stabilisator der Wirtschaft herausgestellt. Dieser hatte ohnehin mit der hohen Inflation genug zu kämpfen. Im November lag die Arbeitslosenquote bei lediglich 3,7% und damit nur knapp über dem Tiefststand eines halben Jahrhunderts, den wir Anfang 2022 gesehen haben. In der Eurozone liegt die Arbeitslosenrate mit 6,5% zwar etwas darüber, allerdings auch auf dem niedrigsten Niveau seit der Euro-Einführung.

Der wirtschaftliche Ausblick bleibt für 2023 aber getrübt. In vielen Ländern wird mit einem deutlichen Wirtschaftsabschwung, in manchen sogar mit einer Rezession gerechnet. Kommen wir noch zur amerikanischen Notenbank, die diese Woche die Wall Street durch eine anhaltend aggressive Rhetorik unter Druck setzte. Für die Sitzungen im Februar und März wird von einigen bereits mit einer weiteren Anhebung der Leitzinsen um jeweils 0,50% gerechnet.

Neues gibt es auch vom FTX-Gründer Sam Bankman-Fried zu berichten, der vor Gericht auf unschuldig plädiert. Der Gründer der insolventen Kryptobörse ist unter anderem wegen Betrug, Geldwäsche und anderer Straftaten angeklagt. Besonders schwer wiegt der Verdacht, $1,8 Milliarden an Kundengeldern veruntreut zu haben. So wird dem 30jährigen vorgeworfen, riesige Summen von Anlegern von seiner Plattform abgezweigt zu haben und damit Luxusimmobilien gekauft, Spenden an Politiker getätigt oder andere hochriskante Finanzgeschäfte abgewickelt zu haben.

Die Börsenaufsicht auf den Bahamas gab diese Woche bekannt, dass sie Kryptowährungen in der Höhe von mehr als $3,5 Milliarden beschlagnahmt habe und diese Gelder für geschädigte Kunden und Gläubiger bereitgehalten werden. Die Frage stellt sich nun, ob es überhaupt genügend Käufer für eine derart hohe Transaktionssumme gibt und ob bzw. wie die Aufsicht das überhaupt zu Geld machen kann. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 115 Jahre Gefängnis. SBF – so wurde Sam Bankman-Fried jahrelang beinahe liebevoll in der Kryptobranche genannt, gab an, nur noch über ein Vermögen von $100.000 zu verfügen. Vor der FTX-Pleite gehörte er mit einem geschätzten Vermögen von $26 Milliarden zu den reichsten Menschen der Welt.

Für einen kam es aber noch schlimmer. Elon Musk besaß vor einem Jahr noch geschätzte $270 Milliarden. Aktuell sind es „nur“ mehr $126 Milliarden. Damit ist sein Vermögen innerhalb eines Jahres um unglaubliche $144 Milliarden geschrumpft. Und der 2022 eingeschlagene Abwärtstrend geht für Elon auch 2023 weiter. Bereits in den ersten Tagen des Jahres hat er mehr als $10 Milliarden verloren.

Wagen wir noch einen Blick in die Ferne. 2022 hat der amerikanische S&P 500 knapp ein Fünftel seines Wertes eingebüßt. In den letzten 50 Jahren kam es nur zweimal vor, dass der Index zwei Jahre in Folge eine negative Performance erleiden musste. Einmal war das in den 1970ern, einmal nach dem Platzen der Internetblase in den Jahren 2000 – 2003. Ich hoffe für Investoren, dass es bei diesen beiden Ausnahmen bleibt und 2023 ein positives Ende nimmt.

Apropos Trend: Es ist hart, aber ich halte mich nach wie vor strikt an meinen selbstauferlegten Espresso-Verzicht. Im Gegensatz zu anderen Themenfeldern ist aber hier eine Prognose nicht allzu schwierig und muss auch nicht nebulös in einen Wortschwall verpackt werden. Wie auch die Jahre davor wird sich spätestens ab Mitte Jänner jeden Morgen ein wohliger Kaffeegeruch in unserer Wohnung ausbreiten. Der Trend der koffeinlosen Zeit und der fallenden Börsenkurse wird mit Sicherheit gebrochen. Die Frage ist nur wann?!