Finanznews, 19.11.2022

Reichtum macht schön? Von wegen!

In dieser Kolumne geht es 62,5 Millionen Millionäre, eine abnehmende Wirtschaftsdynamik und zwei unerwartete Ausnahmen sowie um die Frage, ob Elon oder ich 2023 „The Sexiest Man Alive“ werden.

Geld und grobe Verschiebungen

Als ich meinen Espresso trinke, muss ich unweigerlich an George Clooney denken. Mein Spiegelbild, welches mir von der Terassentür entgegenlächelt, lässt durchaus eine gewisse Ähnlichkeit erkennen. Naja, zugegebenermaßen ist das nicht viel, aber die grauen Haare und die Liebe zum Kaffee und zum Espresso sind definitiv nicht abzustreiten. Nicht schlecht, der Mann war immerhin zweimal der „Sexiest Man Alive“.

Dieser Titel wird seit knapp 40 Jahren verliehen. Meine Chancen, 2023 den aktuellen Preisträger Chris Evans abzulösen, sind allerdings äußerst gering. Schließlich kann ich, abgesehen meiner grauen Haare, nicht viel vorweisen. Der Sexiest Man Alive ist in seinen 20ern oder 30ern, Amerikaner und Schauspieler. Jetzt wird mir klar, warum erfolgreiche Investoren, wie ein Warren Buffett nie eine realistische Chance hatten. Von wegen „Reichtum macht schön!“

Apropos Reichtum: Die Haushalte besitzen weltweit laut dem Credit Suisse Global Wealth Report ein Vermögen von 463 Billionen US-Dollar. Das entspricht rund dem 4,6fachen Wert der globalen Wirtschaftsleistung (Welt-BIP). Knapp ein Drittel des Weltvermögens besitzen US-Haushalte. Gemeinsam mit China, welches aktuell rund 18% der Vermögenswerte vereinnahmt, vereinen diese beiden Länder mehr als die Hälfte der Haushaltsvermögen. Dahinter folgen mit Japan (5,5%), Deutschland (3,8%) und UK (3,5%) mit deutlichem Respektabstand. In den Top-10 finden sich mit Frankreich und Italien noch zwei weitere europäische Länder. Von der regionalen Aufteilung liegt Europa mit 23% aber etwas hinter Nordamerika und Asien zurück, die jeweils etwas mehr als ein Drittel vereinnahmen.

Noch ein paar spannende Fakten. Weltweit gab es 62,5 Millionen Millionäre. Auf jeden erwachsenen Erdenbürger – diese Woche haben wir ja erstmals die 8-Milliarden-Grenze überschritten – entfallen damit rund 87.000 US-Dollar. In Anbetracht der Kapitalmarktergebnisse ist davon auszugehen, dass das Weltvermögen 2022 doch deutlich sinken wird.

“Elon Musk ist mit einem geschätzten Vermögen von 180 Milliarden US-Dollar immer noch der reichste Mann. Auch wenn sein Vermögen seit Jahresbeginn um 87 Milliarden Dollar zurückgegangen ist.”

In Österreich ist beispielsweise das Geldvermögen, seit einem kleinen Rückgang im Jahr der Lehman-Pleite, immer gestiegen. Im Zeitraum zwischen 2006 und 2021 hat sich das Geldvermögen defacto verdoppelt. 2022 schrumpft laut einer Analyse der Nationalbank das Geldvermögen erstmals seit vielen Jahren wieder. Aufgrund der Rahmenbedingungen kam es zu einer groben Verschiebung in der Vermögensaufteilung. Raus aus dem Cash, rein in Einzelaktien, Fonds oder Gold. In Anbetracht der hohen Inflationszahlen – in Österreich beträgt sie aktuell immerhin schneidige 11% – würde es mich aber auch nicht wundern, wenn die Zahl der Millionäre in den nächsten Jahren deutlich ansteigt.

An den Finanzmärkten kommt es, nach den großen Anstiegen in der Vorwoche, zu Gewinnmitnahmen. Der Ausblick bleibt verhalten. Die Einkaufsmanager-Indizes der meisten Länder deuten seit den Sommermonaten auf eine abnehmende Wirtschaftsdynamik hin. Spannend finde ich, dass es von den G7-Ländern mit Frankreich und Japan nur zwei Ausnahmen gibt, die vermutlich nur wenige Investoren auf der Liste gehabt haben. Bin schon gespannt, ob die Notenbanken ihrem Kurs treu bleiben. Für die Dezember Sitzung der amerikanischen FED und der europäischen EZB gehen viele Marktteilnehmer von einer weiteren Zinserhöhung von zumindest 0,50% aus.

Das Wohl und Weh des Marktes hängt aktuell stark an der weiteren Entwicklung der Inflationszahlen ab. Bei einer Entspannung der Lage – und sei es im Null-Komma-Bereich – kehrt rasch wieder die Euphorie zurück. Zumindest hat uns das die vergangene Woche gelehrt, als der technologielastige Nasdaq-Index an einem Handelstag um mehr als 7% zulegen konnte. Tech-Aktionäre werden sich freuen. Elon Musk ist mit einem geschätzten Vermögen von 180 Milliarden US-Dollar immer noch der reichste Mann. Auch wenn sein Vermögen seit Jahresbeginn um 87 Milliarden – das ist immerhin das geschätzte Vermögen von Sergey Brin, dem zehntreichsten Menschen des Planeten – zurückgegangen ist. Das schmerzt den lieben Elon mit Sicherheit. Ob er sich mit dem Titel Sexiest Man Alive 2023 über die Milliardenverluste hinwegtrösten kann, wage ich aber zu bezweifeln.