Finanznews, 10.12.2022

Stabile US-Börsen und die Leiden des Elon M.

In dieser Kolumne geht es um eine Veränderung der Sektorenstruktur im S&P 500, Elon Musks Problem mit den höheren Zinsen und die Frage, warum sich Blackrocks CEO Larry Fink wohl so vorkommen dürfte, als würde er mit Karacho die eisige Kitzbüheler Streif hinunterflitzen.

Aufwärtstrend an der US-Börse

Neben dem Espresso gehört auch Schifahren zu meiner Leidenschaft. Aktuell – und ehrlicherweise war das auch noch nie der Fall – gehöre ich keinem Kader eines Schiverbandes an. Unverständlich, nicht wahr? Nichtsdestotrotz liebe ich die Geschwindigkeit, mit der ich im Vollspeed hinter meinen Kindern den Berg hinunter rase.

Auch auf den Kapitalmärkten geht es teilweise durchaus rasant zur Sache und die Welt kann von heute auf morgen schon komplett anders ausschauen. Häuselbauer und Anleiheninvestoren können 2022 definitiv ein Lied davon singen. Auch wenn sich in den letzten Wochen der Markt durchaus beruhigen und Anleiheninvestoren einen Teil ihrer Verluste wieder aufholen konnten, scheint die Richtung klar vorgegeben. Zumindest glauben die wenigsten, dass die großen Notenbanken dieser Welt nicht auch in den nächsten Sitzungen die Leitzinsen anheben werden.

Kommen wir zum Aktienmarkt. Weltweit gibt es rund 60.000 Aktien quer über den Globus verstreut. Hinsichtlich der Marktkapitalisierung gibt aber ganz klar die USA und der Tech-Sektor den Ton an. Der S&P 500 repräsentiert die 500 größten US-Unternehmen. Die Stimmung hat sich etwas gedreht. Ende November notierten nahezu zwei Drittel der Aktien über dem 200-Tages-Durchschnitt. Das bedeutet, dass der seit Mitte Oktober anhaltende Aufwärtstrend auf einer breiten Basis steht und der S&P 500 damit nicht nur von wenigen, hochgewichteten Einzelunternehmen nach oben gezogen wird.

Das würde ich einmal als positives Signal bewerten. Bei der Beurteilung des Marktes spielen auch Insider-Transaktionen eine große Bedeutung. Es ist immer spannend zu beobachten, wie sich Vorstände und Angestellte in Schlüsselpositionen (= Insider) verhalten. Und auch auf dieser Front gibt es eine Entspannung. Die Anzahl jener, die gegenwärtig Firmenanteile abstoßen ist äußerst gering. Und zwar so gering wie seit mehr als 10 Jahren nicht mehr.

Spannend finde ich auch, inwiefern sich die Sektorenstruktur im S&P 500 verschoben hat. Während die Gewichtung von Technologie- und Gesundheitswesen von 44% auf 40% zurückgegangen ist, erlebten Energie- und Finanzaktien ein wahres Revival. Die Gewichtung im breiten amerikanischen Aktienindex ist von 15% auf 21% gestiegen, liegt aber immer noch deutlich unter dem Höchststand von 36% im Jahre 2007.  Ist das ein Trendwechsel? Ich glaube es nicht!

Ob sich Elon Musk mit dem Kauf von Twitter einen Bärendienst erwiesen hat, wird sich erst zeigen. Der Kaufpreis von 44 Milliarden Dollar ist mit Sicherheit nicht ohne. Selbst der reichste Mann der Welt, der einen Großteil seines Vermögens in Tesla-Aktien investiert hat, musste einen Kredit aufnehmen, um die Transaktion stemmen zu können. Auch Twitter selbst hat mittlerweile einen beträchtlichen Schuldenberg angehäuft. Allein die Zinskosten belaufen sich aktuell auf 1,2 Milliarden Dollar. In Anbetracht der steigenden Zinsen vermutlich mit steigender Tendenz. Das ist mehr als der gesamte Jahresgewinn 2021. Jetzt überlegt Elon, mit Tesla-Aktien auszuhelfen, um die drückende Zinslast etwas abzumildern.

Höhere Zinsen dürften Elon aber auch noch auf einer anderen Seite treffen. Der Gebrauchtwagenmarkt in den USA verschlechtert sich zunehmend. Die Nachfrage und Preise erreichten im Dezember 2021 ein Allzeithoch, sind seit damals aber um mehr als 15% gefallen. Elons Hoffnung, dass der Grund dafür eine Tendenz zu einem Neuwagen ist – am liebsten natürlich zu einem nagelneuen Tesla: Leider Fehlanzeige. Der Grund dafür ist die Sorge vor einer möglichen Rezession und die höheren Zinsen, die den Kauf eines Wagens mit Fremdkapital spürbar verteuern.

Abschließend noch ein Blick auf den größten Vermögensverwalter der Welt. Blackrock verwaltete zu Jahresbeginn etwas mehr als 10 Billionen US-Dollar. Durch die Kursverluste, sowohl auf der Anleihen als auch auf der Aktienseite, ist das verwaltete Vermögen um rund 16% oder 1,6 Billionen US-Dollar zurückgegangen. Das Investmenthaus bekommt eine Management-Gebühr, die auf Basis des verwalteten Vermögens berechnet wird. Die geringeren Managementeinnahmen schlagen sich direkt auf das Unternehmensergebnis nieder, da ein Vermögensverwalter kostenseitig wenig Spielraum hat. Ein Fondsmanager oder Risikomanager muss schließlich unabhängig der Fondsgröße bezahlt werden.

Insofern ist es wenig verwunderlich, dass die Aktie heuer um rund 30% eingebrochen ist. Der Vorstandsvorsitzende Larry Fink dürfte sich momentan wohl so vorkommen, als würde er mit Karacho die eisige Kitzbüheler Streif hinunterflitzen. Ich bin mir aber sicher, dass er selbst bei einem Sturz sehr weich fällt.