Finanznews, 09.04.2022

Was Gold derzeit zum Glänzen bringt

In dieser Kolumne geht es um John Law’s Problem mit dem Sonnenkönig, die Renaissance des Edelmetals und einen Twitter-König.

Goldig, Sonnenkönig & Twitter-Kaiser

Meine Kaffeemaschine ist ganz schön laut, während die Kaffeebohnen gemahlen werden. Für mich als Espresso-Liebhaber ist der Muntermacher zu dieser frühen Tageszeit wie pures Gold. Gerade in Zeiten hoher Inflationszahlen und niedriger Zinsen gewinnt das Edelmetall zunehmend an Bedeutung. Daran ändern auch steigende Zinsen wenig. Eine 10jährige österreichische Bundesanleihe notiert jetzt wieder über der 1%-Marke. Der Form halber möchte ich noch das Vorzeichen hinzufügen: +1%! Um die Weihnachtszeit war das Zinsniveau noch negativ und Investoren mussten Österreich dafür Geld zahlen, um dem Staat Geld leihen zu „dürfen“. Verkehrte Welt!

In Zeiten der Unsicherheit erfreut sich Gold großer Beliebtheit. Eine Währung lebt vom Vertrauen, dass ihr Wert Bestand hat. Gerade in der heutigen Zeit kommt noch hinzu, dass lediglich ein Bruchteil des Geldes auch wirklich in physischer Form verfügbar ist. In der Vergangenheit waren deshalb viele Währungen an Gold gekoppelt. Ein Geldschein repräsentierte einen gewissen Gegenwert an Gold und konnte bei Bedarf auch dagegen eingetauscht werden. Dazu musste das Gold aber tatsächlich vorhanden sein, und somit war der Geldmenge eine natürliche Grenze gesetzt. Der sogenannte Goldstandard war ab 1880 das anerkannte System in den Industriestaaten. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges wurde die Einlösepflicht in vielen Staaten aufgehoben, so dass der Goldstandard außer Kraft gesetzt war. Nach einer Phase der flexiblen Wechselkurse dauerte es bis 1922, bis man wieder zum ursprünglichen System zurückkehrte. Im Juli 1944 wurde von 44 Staaten das Bretton-Woods-System beschlossen, welches die Vorteile des Goldstandards mit den Vorteilen eines flexiblen Wechselkurssystems zu kombinieren versuchte. Dieses System wurde bis 1973 aufrechterhalten. Seit damals ist die Geldmenge nicht mehr an einen Referenzwert gekoppelt. Zum Glück! Durch die expansive Notenbankpolitik der letzten Jahre würden wir heute alle Grenzen sprengen.

Das Vertrauen der Menschen in die Werthaltigkeit des Geldes scheint aber zu schwinden. Diese Erfahrung musste auch der Schotte John Law of Lauriston machen. Law gelang es, aus dem dahinsiechenden und bankrotten Frankreich, welches mit den Nachwehen der Misswirtschaft des Sonnenkönigs Luis XIV zu kämpfen hatte, wieder eine Grande Nation voller Selbstvertrauen und einer prosperierenden Wirtschaft zu machen. John Law war aber auch ein Spieler, der es auf den europäischen Spieltischen zu einem Vermögen gebracht hatte. Grund dafür war nicht nur Glück, sondern ein gutes mathematisches Grundverständnis und seine Fähigkeit, blitzschnell seine Gewinnchancen berechnen zu können. In seiner Blüte war John Law ein Star und der reichste Mann der Welt. Ausschlaggebend war auch der Hype um seine Mississippi-Companie, die die Rechte an Bodenschätzen in der Neuen Welt im sumpfigen Louisiana besaß. Bald wollte nahezu jeder Pariser Mississippi-Aktien besitzen. Der Aktienkurs stieg innerhalb kürzester Zeit von 500 Livre auf mehr als 9.000 Livre. Als sich die Hoffnung zerschlug, fiel der Aktienkurs ins Bodenlose.

In diesen Tagen verlor das Papiergeld immer mehr an Wert. Frankreich kämpfte mit einer horrenden Inflation, die auch von der fleißig gelddruckenden Monarchie befeuert wurde. Frankreich war im Ausnahmezustand und der Sündenbock war rasch gefunden: Das Finanzgenie John Law!

“Seit dem Ausbruch des Ukraine-Krieges hat die Dynamik der Goldkäufe nochmals deutlich zugenommen.”

Kommen wir zurück zum Gold. Wussten Sie, dass der weltweite Goldbestand ein Würfel mit einer Kantenlänge von „nur“ etwas mehr als 20 Metern ist? Russland hat in den letzten Jahren massiv Gold gekauft und seinen Bestand seit 2005 mehr als verdreifacht. Damit verfügt man hinter den USA, Deutschland, Italien und Frankreich über die fünftgrößten Goldreserven. Seit dem Ausbruch des Ukraine-Krieges hat die Dynamik der Goldkäufe nochmals deutlich zugenommen. Grund dafür war eine Ausweitung der Sanktionen gegenüber russischen Banken. Plant Russland jetzt den Wert des Rubels mit Gold zu hinterlegen, um das internationale Vertrauen wieder zu erlangen? Ein Indiz dafür wäre, dass die Bank von Russland bereits begonnen hat, Gold von Banken zu einem Fixpreis von 5.000 Rubel pro Gramm zu kaufen. Das entsprach zum Beginn der Maßnahmen einem Gegenwert von rund $1.600 pro Unze. Das war ein deutlicher Abschlag zum Marktpreis von etwas über $1.900. Das Ziel dieser Maßnahme ist es, den Wert des Rubels auf den internationalen Währungsmärkten aufzuwerten. Mit dem aktuellen Rubelkurs berechnet, kauft die Bank von Russland schon zu rund $1740. Die Maßnahme scheint zu funktionieren. Ich bin schon sehr gespannt, wie das weitergeht.

Apropos gespannt. Elon Musk liebt Twitter und hat bereits 77 Millionen Follower und bereits mehr als 15.000 Tweets abgesendet. Bestimmende Themen waren SpaceX und TESLA. Jetzt ist Elon auch bei Twitter eingestiegen und hat Aktien um 2,89 Milliarden US-Dollar gekauft. Mit 9,2% ist Musk damit einer der größten Anteilseigner. Musk hat im Vorfeld eine Umfrage durchgeführt, in der 70% angaben, dass Twitter das Prinzip der freien Rede nicht rigoros einhält. Elon kauft Twitter-Aktien, kämpft für die freie Rede und hat nebenbei durch den Kursanstieg nach seinem Einstieg mehr als 500 Millionen verdient. Keine schlechte Bilanz, meinen Sie nicht auch?