Wenn Millionäre auswandern

Geopolitische Themen bestimmen den Newsflow. Und damit meine ich nicht nur jenen der Politik- sondern auch jene der Wirtschaftsressorts. Es ist noch dunkel, als ich frühmorgens bei meiner Espresso-Maschine stehe und darüber nachdenke, wie lange uns Putin schon in seinen Bann zieht. Vor 135 Tagen, 3.240 Stunden oder 194.400 Minuten habe ich an gleicher Stelle erstmals davon gelesen.

Während ich an meinem morgendlichen Espresso nippe, stelle ich mir dir Frage, wie viele Unternehmen in dieser Phase das Russland Geschäft zurückgefahren oder eingestampft haben. Laut einer aktuellen Analyse von McKinsey haben mittlerweile 85% der Unternehmen aus den USA und Europa das Russlandgeschäft zurückgefahren oder eingestellt. Das sind beeindruckende Zahlen und man kann getrost davon ausgehen, dass Russlands Wirtschaft noch lange daran zu knappern haben wird.

Der große Vorteil Russlands sind die großen Öl- und Gasbestände. Die EU kauft 61% der russischen fossilen Brennstoffe und ist damit ein Großabnehmer. Aus europäischer Sicht zählen Deutschland, Italien und die Niederlande als wesentliche Abnehmer. Im Zuge meiner Recherche habe ich auch gelernt, dass Russland und die Ukraine in sehr vielen Rohstoffen eine dominante Rolle einnehmen. Darunter fallen z.B. Nickel oder auch Kupfer. Diese Materialien sind wesentliche Bestandteile vieler „Net-Zero“-Technologien wie Solar-Panels oder Elektroautos. Hat der Russland-Ukraine-Konflikt jetzt damit sogar Auswirkungen auf unseren Kampf gegen den Klimawandel? Mal schauen!

Wussten Sie, dass heuer bereits 88.000 Millionäre – davon 15.000 Russen – ihr Heimatland verlassen haben. Das sind immerhin 15% aller russischen Millionäre! Auch 2.800 reiche Ukrainer sind ausgewandert – damit haben dem Land 42% aller Millionäre den Rücken zugekehrt. Spannenderweise zog es die meisten Auswanderer in die Vereinigten Arabischen Emirate. Wohin auch sonst?!

“Es bleibt spannend, ob das Orakel von Omaha wieder einmal recht behält.”

Schwenken wir nun zu den Finanzmärkten. Berkshire Hathaway, das Unternehmen von Investoren-Legende Warren Buffet, kaufte weitere Aktienpakete von Occidental Petroleum. Warren Buffet besitzt damit 17,4% des Öl- und Gasunternehmens. In diesem Zusammenhang scheiden sich die Geister. Seit dem russischen Einmarsch ist der Aktienkurs um mehr als 60% gestiegen. Ganz im Gegensatz zum allgemeinen Trend. Der Energieknappheit sei Dank. Bei längerer Betrachtungsweise verkehrt sich allerdings das Bild. Während der amerikanische S&P 500 Index in den letzten 10 Jahren eine Wertentwicklung von rund 240% aufweist, konnten Occidental Petroleum Aktionäre lediglich eine Performance von knapp über Null „erwirtschaften“. Im Gegenzug formiert sich die Nachhaltigkeitsfront. Das Energieunternehmen fördert Schieferöl mit der umstrittenen Fracking-Methode, die Experten zufolge große Umweltschäden verursacht.

Das Österreichische Umweltzeichen (UZ49) hat deshalb Fracking auf die Ausschlussliste genommen. Eines scheint aber klar: Der Energiesektor hat massiv an Bedeutung verloren. In den letzten 10 Jahren ist die Gewichtung des Energiesektors in einem international ausgerichteten Aktienportfolio von 11,4% auf 3,2% gesunken. Ganz im Gegensatz zum Technologie-Sektor! Wenn man die aktuelle Situation aber mitberücksichtigt, könnte das zu einem Comeback des Energiesektors führen. Es bleibt spannend, ob das Orakel von Omaha wieder einmal recht behält.

von | Jul 10, 2022

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