Finanznews, 17.12.2022

Wieso Elon Musk Rechnungen nicht bezahlt

In der aktuellen Kolumne geht es um Jeromes Eintrag in die Börsengeschichtsbücher, den Asterix unter den Notenbankern und die Frage, warum sich Elon Musk trotz hartem Sparprogramm keine Sorgen um seinen Espresso machen muss.

Notenbanken trüben Börsen ein

Ob der liebe Elon Musk zu den Espressoliebhabern gehört, kann ich leider nicht seriös beantworten. Dass selbst der reichste Mensch der Welt dieser Tage mit Liquiditätsproblemen zu kämpfen hat, ist aber augenscheinlich. Seit dem Kauf von Twitter scheint für den Tesla-Chef einiges nicht nach Wunsch zu laufen.

Musk dreht an der Kostenschaube und bezahlt angeblich keine Rechnungen mehr. So soll auch die Miete für das Twitter-Hauptquartier in San Francisco seit mehreren Wochen ausständig sein. Betroffen sind auch Rechnungen für Elons Charterflüge von schneidigen 197.725 Dollar, die in der ersten Woche nach seiner Twitter-Übernahme entstanden sind. Und auch bei ehemaligen Mitarbeitern zeigt er sich nicht zimperlich. Schließlich soll laut Elon jeder zweite Angestellte abgebaut werden. In Summe sprechen wir da immerhin von mehr als 8.000 Personen! Einigen von Ihnen wurde eine Abfindung von zwei Monatsgehältern versprochen. Davon will der liebe Elon momentan anscheinend nichts mehr wissen.

Insofern passt es sicher gut, dass Musk sich diese Woche von 22 Millionen Tesla-Aktien getrennt hat. Das entspricht einem Gegenwert von 3,6 Milliarden Dollar und ist nach der 44-Milliarden-Dollar Übernahme von Twitter bereits der zweite große Verkauf im heurigen Jahr. Twittern ist anscheinend sehr teuer! Der Zeitpunkt erscheint sehr ungünstig. Hätte er die gleiche Anzahl an Aktien zu Beginn des Jahres verkauft, hätte er mehr als einen doppelt so hohen Verkaufserlös erzielen können.

Und zu allem Überdruss ist Elon auch nicht mehr der reichste Mensch der Welt. Der Platz an der Sonne wurde ihm von Bernard Arnault, der mit seinem Konzern ein Imperium von 75 Luxusmarken sein Eigen nennt, abgeluchst.

Diese Woche stand aber nicht nur Elon im Epizentrum der Börsen-News. Auch Fed-Präsident Jerome Powell erweist sich einmal mehr als Party-Crasher und erhöhte am Mittwoch den Leitzins erwartungsgemäß um weitere 0,50%. Die erste Erhöhung erfolgte im März. Damit hat der Fed-Präsident in neun Monaten die Leitzinsen um unglaubliche 4,25% erhöht. Das ist sowohl vom Ausmaß als auch der Geschwindigkeit im historischen Kontext einzigartig. Jerome hat sich damit wohl seinen Platz in den Geschichtsbüchern gesichert.

Einen Tag später folgte die Europäische Zentralbank, die Bank of England und die Schweizer Notenbank mit einer Zinsanhebung von jeweils 0,50%. Es gibt aber auch Ausnahmen unter den Notenbanken, die die Leitzinsen diese Woche unverändert gelassen haben. Der Asterix unter den Notenbankern bezeichnet sich selbst als Kiwi und trägt einen Sombrero. Neuseeland und Mexiko lassen grüßen.

Die Zinserhöhungen der großen Notenbanken trübten wieder einmal die Stimmung der Börsianer. Vor allem Christine Lagarde sorgte mit “hawkischen” Tönen für Verkaufsdruck. Mit zunehmender Dauer der Pressekonferenz kamen die europäischen Aktienmärkte vermehrt unter Druck. Vor allem die Aussage, dass wir noch “für einige Zeit weitere Zinserhöhungen um 50 Basispunkte” erwarten können, stoßt vielen Marktteilnehmern sauer auf. Wenig überraschend sieht die EZB Präsidentin den Inflationsausblick weiterhin aufwärts und die Wachstumsaussichten abwärtsgerichtet.

Apropos getrübte Stimmung. Der Gründer der Kryptobörse FTX Sam Bankman-Fried wurde diese Woche auf den Bahamas wegen Betrugsverdachts verhaftet. Aufgrund einer „großen“ Fluchtgefahr wurde eine Freilassung auf Kaution abgelehnt. Selbst bei stetig steigender Lebenserwartung ist der Ausblick düster. Dem 30jährigen Bankman-Fried drohen im schlimmsten Fall 115 Jahre Haft. FTX war einst die drittgrößte Kryptobörse der Welt.

Die Pleite hat die Finanzwelt zutiefst erschüttert und wird den Regulator vermutlich noch viele Jahre beschäftigten. Sam Bankman-Fried ist in lediglich vier Jahren zum Milliardär geworden und hat in der Spitze ein Gesamtvermögen von 16 Milliarden US-Dollar besessen. Von Null auf 100 und dann wieder auf Null. Das Leben von Sam Bankman-Fried gleicht einer Achterbahn.

Kommen wir noch zum ehemaligen Tennis-Ass Boris Becker, der sich wieder auf freien Fuß befinden soll. Die letzten acht Monate saß er in einem englischen Gefängnis, weil er seinen Insolvenzverwalter ein Millionenvermögen verschwiegen haben soll. Standesgemäß reiste Boris mittels Privatjet nach Deutschland. Insofern kann sich der liebe Sam selbst im Falle einer Pleite zurücklehnen. Und auch Elon braucht sich keine Sorgen zu machen. Wenn die Kaffeebohnen aufgrund des Sparprogrammes ausgehen sollten, kann er seinen Privatjet starten und mich besuchen. Der Espresso geht auf mich!